Eine Frage der Loyalität

Der Universalgelehrte Zuccalmaglio wird häuslich


Als Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio im damaligen Ort Kelleramt 1860 seine Stellung als Erzieher und Privatlehrer antrat, war er weitgereist, hatte schon viel erlebt und vieles erforscht.

Aus seinen Studien der Geographie, Länderkunde und (Erd-) Geschichte, Biologie und Botanik, der Literatur sowie besonders der Musik und der Volkslieder formte er lebhafte Unterrichtsstunden – allerdings selten in geschlossenen Räumen.

Seine letzten Schüler, die Söhne des aus einer einflussreichen Kaufmannsfamilie stammenden Fabrikanten Robert Löbbecke und seiner Frau Emma in Haus Nachrodt, führte er häufig in die geliebte, vielseitige Natur des Lennetals.

Obwohl ihm Tätigkeit und Gegend behagten, dachte er 1864, mit Anfang 60, daran, sich langsam zur Ruhe zu setzen. Doch es kam anders. 

Die Lampe auf seinem Schreibtisch flackert, das Petroleum geht zur Neige. Es ist weit nach Mitternacht. Zu spät, um den Tank nachfüllen zu lassen. Seufzend legt Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio die Feder zur Seite und streckt sich.

Seine Abhandlung über den Regenwurm, seiner Meinung nach eine Landplage, ist weit gediehen. Es fehlt nur noch die abschließende Zusammenfassung. Morgen wird er den Aufsatz beenden können. Zeit für die Abendgymnastik und die Nachtruhe. 


Ein Haus voller Vorfreude

Alles andere als ein Langschläfer liebt er es, wenn ihn zwitschernde Vögel früh wecken. Erst recht, wenn der neue Morgen so sonnig ist wie heute. Dem Tag sieht Wilhelm mit Freude entgegen, denn der Hausherr und Freund, Robert Löbbecke, hat einige Herrschaften zur Jagd eingeladen, denen er ebenfalls freundschaftlich verbunden ist. Er selbst wird nicht jagen, denn das gehört nicht zu seinen Leidenschaften. 

Stattdessen wird er nachmittags mit Löbbeckes Söhnen, Töchtern, Nichten und Neffen für die Aufführung seines Singspiels Die Vögel proben, das morgen, am Abend des Pfingstsonntags, vor Freunden und Familie aufgeführt werden soll. Eine Uraufführung, wenn man so will. Johann Peter Cornelius d’ Alquen hatte die Musik dazu geschrieben und ihm die Noten erst vor drei Wochen gesendet.

Seither probten sie fleißig. Das Stück, in denen die Kinder verschiedene Singvögel spielen, passt wunderbar zum Frühling und die Gesellschaft wird sicherlich entzückt sein. 

 

Beim Frühstück trifft er auf Robert Löbbecke und seine Frau Emma, ihre beiden kleinen Töchter sowie ihre Söhne, Otto und Eduard, 9 und 10 Jahre. Alle schwatzen angeregt miteinander, während sie sich dem Frühstück widmen. Am Tisch herrscht fröhliche Stimmung, man freut sich auf ein Pfingstfest mit Gästen und auf das Singspiel mit den Kindern. 

Wilhelm selbst nimmt wie immer nur einen Kräutertee zu sich. Frühes Essen liegt ihm nicht, daher bereitet er sich ein Brot für die Pause und bedeutet seinen beiden Schülern, sich ebenfalls etwas einzupacken. Otto und Eduard nicken wissend, es geht wieder in die Natur. Wilhelm begibt sich schon mal ins Studierzimmer, wo die Jungen wenig später eintreffen. 

Der Hauslehrer kündigt an, den wunderschönen Tag zu nutzen, um Singvögel zu beobachten und vor allem zu hören. Der Unterricht im Freien wird die Gesangskünste der beiden auf der nachmittäglichen Probe sicherlich beflügeln. Wilhelm vermittelt seinen Schülern die Zusammenhänge der Welt sowieso am liebsten im Freien, zumal Mitte Mai. Otto und Eduard zwinkern sich zu, sie haben es geahnt. Mit festem Schuhwerk an den Füßen brechen sie kurz darauf zu ihrer Wanderung auf. 



Ein ganz normaler Schultag

Ihr Weg führt sie zu Klaras Höh, einem Paradies für Singvögel. Von Löbbeckes Villa im Schweizer Stil im Park von Haus Nachrodt ist es nicht sehr weit zu gehen. Der Legende von der jungen Frau namens Klara, die sich von diesem steilen Felsen mit ihrem Pferd in vollem Galopp in die Lenne gestürzt haben soll, hat Wilhelm nie besondere Beachtung geschenkt. Und das, obwohl er immer auf der Suche nach regionalen Sagen ist.

Dennoch hat er dort oben schon sehr viel Zeit verbracht, die natürlichen Gegebenheiten erforscht und Karten gezeichnet. Dieser Abschnitt an der Lenne mit seinen Klippkes, wie die Einheimischen sie nennen, ist ihm bestens vertraut. 

Und auch die Jungen kennen die Gegend bereits wie ihre Westentaschen. Darum forschen sie heute mit Feuereifer. Mit strahlenden Augen und wachem Verstand folgen sie ihrem Lehrer ins Dickicht, wo er ihnen Amseln, Birkenzeisig, Buntspecht, Gimpel, Pirol, Rotkehlchen, Stieglitz und Zilpzalp zeigt. Mit Unterstützung der eigenen Stimme erklärt er ihnen die unterschiedlichen Gesänge.

Er macht sie auf die Schimpftiraden der Amseln aufmerksam, auf die beeindruckenden Melodien des gelbschwarz gefiederten Pirols und das Tschilpen des perfekt getarnten Zilpzalp. Um ihre Stimmen schon mal warmzumachen, lässt er die Buben ebenfalls tirilieren. 


Ihre Pause verbringen sie an einem sonnigen Plätzchen in der Ruine der Taufkapelle, genießen ihre Zwischenmahlzeit mit Ausblick zum Obstfeld und zur Aue zum Dümpel.

Der Rückweg führt sie nach dem Abstieg an der Lenne entlang, wo die Jungen noch die zwitschernde Bachstelze kennenlernen und sogar Eisvögel zu Gesicht bekommen.

Gegen Mittag kehren die drei singend und trällernd zurück. Das Mittagessen ist schon bereitet. Selbst Wilhelm verspürt inzwischen Hunger, denn das kleine Frühstück füllte nicht einmal einen hohlen Zahn. 

 


Zwitschernde Kinderstimmen

Nach einer kurzen Ruhepause beginnen die Proben. Orgelpfeifen gleich hat sich der Kinderchor im Gartensaal des Hauses Nachrodt, wo das Singspiel aufgeführt werden soll, aufgebaut und singt die seit Tagen geübten Stücke. Von Zeit zu Zeit runzelt Wilhelm ob misslungener Töne der kleinen Solisten Otto und Eduard noch die Stirn.

Doch im Grunde ist er mit dem zwitschernden Gesang und der leidenschaftlichen schauspielerischen Leistung der Kinder sehr zufrieden. Am späten Nachmittag will er gerade die Kinder entlassen, als eine Kutsche auf den Hof rollt. Der Zeitpunkt zum Schlussakkord ist glücklich gewählt, die ersten Jagdgäste reisen an.

Er verabschiedet die Kleinen und ermahnt sie, sich warm anzuziehen, damit sie sich nicht noch verkühlen. Für den Sonntagvormittag setzt er die Generalprobe an. In Kostümen, wie er betont. Wilhelm selbst begibt sich zu den Ankömmlingen, um sie zu begrüßen. Er ist nicht nur der Familie Löbbecke, sondern auch Emma Schmidt, Emmas Mutter und Roberts Schwiegermutter, sehr freundschaftlich verbunden und damit selbstverständlich Gast der Gesellschaft.

So verbringt er mit den Gastgebern und deren Gästen, darunter seinem ehemaligen Schüler Heinrich Flinsch aus Frankfurt und dem Arzt Dr. Gosebruch aus Hagen, Sohn eines Freundes aus Oberlahnstein, einen geselligen Abend mit Speis und durchaus auch gehaltvollem Trank in der Villa Schweiz. Erst sehr spät geht er zu Bett und verschiebt das Abschlusswort zum Regenwurm-Aufsatz auf den nächsten Tag. Schließlich wird zwischen Generalprobe und Aufführung noch genügend Zeit bleiben. 

Trotz der wunderbaren Arbeit mit den Kindern würde er sich inzwischen gerne ausschließlich seinen verschiedenen Studien widmen.

Das Singspiel hat er als letzten großen Einsatz gedacht. Nach Pfingsten möchte er mit Löbbecke über seine Ablösung sprechen. Doch jetzt ist erstmal wieder Zeit für Abendgymnastik. 


Der große Tag

Auch der Pfingstsonntag beginnt für ihn früh. Spontan entscheidet er sich für einen Spaziergang durch den in allen Grüntönen sprießenden Park, deren Pflanzen im Morgentau schimmern. Als er den Speisesaal betritt, ist er schon voll mit Menschen in Jagdmontur und erfüllt von angeregten Gesprächen, in denen sich vieles um die anstehende Pirschjagd dreht. 

Man nippt am Kaffee und stärkt sich am reichhaltigen Angebot. Selbst Wilhelm lässt sich in dieser nicht alltäglichen Gesellschaft zu einer Scheibe Brot und einer Tasse Schwarzen Tees hinreißen. Schließlich verabschiedet sich das gute Dutzend Jäger zu Fuß in Richtung der Höhen von Wiblingwerde.

Das Mittagspicknick ist bereits in Vorbereitung und soll ihnen per Kutsche geschickt werden. Wilhelm winkt zum Abschied und reibt sich dann die Hände. Für sein Singspiel wird es jetzt ernst. In Kürze beginnt die Generalprobe. 


Er sammelt die als Vögel kostümierten Löbbeckeschen Kinder ein und geht mit ihnen hinüber zum Haus Nachrodt in den Gartensaal, wo die anderen Kinder warten. Die Kulissen stehen seit Tagen. Links ist ein sprießender Frühlingswald zu sehen, Bäume mit bunten und weniger bunten Singvögeln und rechts die breite, geöffnete zweiflügelige Terrassentür eines gelben Hauses mit zwei überdimensionierten goldenen Käfigen zu beiden Seiten. Dazwischen liegt ein hellblauer Bachlauf.

Otto und seine jüngste Schwester, verkleidet als Kanarienvögel, beziehen sogleich Position in den beiden Käfigen. Eduard als Buntfink stellt sich hinter einen Baum, seine Schwester sitzt als Zaunkönig in einem Strauch. Den Chor bilden vier weitere Buchfinken und ein Eisvogel. In letzter Sekunde kommt noch ein Hausmädchen im Kostüm einer Blaumeise angelaufen. Sie ist die Zuflüsterin, falls eines der Kinder seinen Text vergisst. 

Emma Schmidt, Emma Löbbecke, die anderen Mütter und die Jäger-Gattinnen haben inzwischen im Saal Platz genommen, um sich die Generalprobe des Stückes anzusehen, in dem sich freie Singvögel und Kanarienvögel über ihre Lebensweisen streiten. Die Kinder sind aufgeregt, doch dann konzentrieren sie sich. Wilhelm hebt die Hände und gibt das Zeichen zum Einsatz. Die musikalische Stunde vergeht wie im Flug. 

Die musikalische Stunde vergeht wie im Flug. Die Damen jubeln, nur Wilhelm kraust die Stirn. Zufrieden ist er nicht. Doch meist bedeutet eine mäßige Generalprobe eine gute Vorstellung. Darum schimpft er nicht, sondern gibt den Kindern lediglich noch einige Ratschläge mit auf den Weg.

Mittags isst er nur eine Kleinigkeit, dann kümmert er sich um den Abschluss des Regenwurm-Aufsatzes. Anschließend nutzt er die letzten Sonnenstrahlen, um nochmals durch den Park zu schlendern. Als die Sonne sinkt, hört er die Jäger lachend zurückkehren. Es hört sich nach reicher Beute an. Umso besser. Er freut sich auf ein wohlwollendes Publikum. Doch zunächst wartet ein reichhaltiges Feiertagsabendessen auf die fröhliche Gesellschaft. 

Die Aufführung wird ein kleiner Triumph. Die Kinder gehen in ihren Rollen auf und singen wie Engel. Die Gäste und die begeisterten Eltern spenden frenetisch Applaus. Schließlich verabschieden sich die Kleinen. Hellwach in die Federn zu müssen, ist für sie an diesem Abend nicht leicht zu ertragen. Doch schließlich fügen sie sich in ihr Schicksal und lassen sich zu Bett bringen. Für die Gesellschaft folgt der gesellige Teil, in dem die Männer ihre Jagd Revue passieren lassen, und die Frauen sich noch über Details des Singspiels austauschen. Schließlich fällt auch hier der Vorhang und man begibt sich nach diesem erfüllten Tag zur Ruhe. 


Unerwartete Wendung

Am nächsten Morgen summt die Villa Löbbecke wie ein Bienenstock. Die Gäste stehen kurz vor der Abreise. Sie genießen noch das üppige Frühstück, während fleißige Hände bereits die Kutschen einspannen und beladen. Als die Hufe auf der Straße verklingen, ist die Aufregung mit einem Schlag vorbei. Die Erwachsenen haben das Bedürfnis nach etwas Stille: Robert Löbbecke zieht sich zurück in sein Zimmer, seine Frau ruht im Salon, Wilhelm macht einen Spaziergang entlang der Lenne. Die Söhne sind wegen des allgemeinen Trubels vormittags vom Unterricht befreit und so verschwinden die vier Kinder im Park der Großeltern, um Verstecken zu spielen. 

Erst am Mittagstisch trifft man sich wieder. Die Kinder, noch vertieft in das soeben beendete Spiel, werden von Emma zur Ruhe ermahnt. Robert fühlt sich nicht gut. Die Kinder schweigen betreten und auch Wilhelm betrachtet den Hausherrn besorgt. Der sitzt mit glühendem Kopf am Tisch, scheint zu frieren und schnäuzt sich in einem Fort die Nase. Nach der Suppe entschuldigt er sich und verschwindet in sein Zimmer, um sich weiter auszuruhen. Otto und Eduard begeben sich mit Wilhelm ins Studierzimmer. Er hat einige Gesteinsproben mitgebracht, anhand derer er den Kindern erdgeschichtliche Entwicklungen erklären möchte. 

Zur Teezeit trifft sich die Familie wieder – doch Robert Löbbecke fehlt. Wie Emma Wilhelm flüsternd berichtet, hat sich sein Zustand verschlechtert. Er liegt mit Fieber und Schüttelfrost im Bett. Wahrscheinlich, so vermutet sie, hat er sich bei der Jagd verkühlt. Während der Pirsch habe er lange auf dem noch sehr kalten Boden gelegen.

Während die Kinder Waffeln und Gebäck knabbern, schickt sie nach Tee für ihren Mann und kehrt sie zurück ans Krankenbett.

Bis zum Abend verschlimmert sich Löbbeckes Zustand weiter, das Fieber steigt. Emma und der ebenfalls sehr besorgte Wilhelm wachen in der Nacht abwechselnd an seinem Bett. Morgens wird der Hausherr von Hustenattacken geschüttelt. Man versucht, ihm durch Kräuterumschläge Linderung zu verschaffen. Das Fieber sinkt den ganzen Tag trotz permanenter Wadenwickel nicht. Die Kinder haben inzwischen erfahren, dass ihr Vater schwer erkrankt ist. Die Mädchen sind verängstigt, die Jungen still. Der Unterricht hat trotz aller Bemühungen seitens Wilhelm an Schwung verloren.

Emma wacht auch die nächsten Tage am Krankenbett, während sich Wilhelm um die Betreuung der Kinder kümmert. Doch Roberts gesundheitlicher Zustand bessert sich in keinster Weise, im Gegenteil. Als sich die Krankheit immer weiter verschlimmert, verständigt Emma Löbbecke Dr. Gosebruch aus Hagen, der noch wenige Tage zuvor ihr Gast gewesen war. Doch auch er kann nichts ausrichten, die Erkältung hat den Körper mittlerweile so weit geschwächt, dass Robert Löbbecke einer Gichtattacke nichts mehr entgegenzusetzen hat. Gerade 36 Jahre alt, verstirbt er und hinterlässt eine verzweifelte Witwe.  


Zeiten der Trauer

Gezeichnet von den Tagen an der Seite ihres schwerkranken Mannes, von den durchwachten Nächten, von Verzweiflung und Trauer erkrankt auch Emma Löbbecke schwer. Sie kann sich weder um die Bestattung noch um die Kinder oder den Haushalt kümmert.

Wilhelm – selbst vom Tod des guten Freundes tief betroffen – stellt seine eigenen Wünsche zurück, übernimmt Emmas Aufgaben und begleitet die Familie über die Trauerzeit. Er steht den Kindern zur Seite, deren unbeschwerte Tage für lange Zeit beendet sind, zumal permanent die Sorge um den Gesundheitszustand der Mutter über ihnen schwebt. 

Erst im Herbst erholt sich Emma gesundheitlich, doch die Trauer dauert an. Wilhelm legt seinen Wunsch nach einem Forscherleben daher erstmal ad acta und ist der Familie weitere zwei Jahre eine Stütze. Erst im Herbst 1866 verabschiedet er sich in den Ruhestand und zieht zu seinem Bruder nach Grevenbroich. 




Emma Schmidt – Gestalterin von Haus Nachrodt und Zuccalmaglios gute Freundin

Ursprünglicher Gründer und Besitzer von Haus Nachrodt war der aus einer Kaufmanns-Familie stammende Eduard Schmidt. 1818 erwarb er Gut Nachrodt und baute das klassizistische Herrenhaus. 1826 heiratete er die ebenfalls aus einer einflussreichen Familie stammende Emma Löbbecke aus Iserlohn. 

Emma Schmidt veranlasste in den 1840er Jahren die Verwandlung der benachbarten Obstgärten in einen weitläufigen Landschaftspark mit Wiese, Rundwegen und Badehäuschen an der Lenne. Bis heute wachsen dort exotische Bäume und Pflanzen: Rhododendren, Azaleen und Kamelien sowie Eiben, Tulpen- und Trompetenbäume, Platanen, Hängebuchen, seltene Koniferen, Kastanien, Robinien, Blutbuchen und meterhohe Buxbäume. 

Sie ließ auch den Ostteil des Hauses im Stil des Biedermeier repräsentativ um- und den Gartensaal anbauen. In dieser Zeit hatte sie zwei Todesfälle zu beklagen: Ihr einziger Sohn verstarb 1841, ihr Mann Eduard 1842. Als Witwe Schmidt führte sie erfolgreich das Unternehmen ihres Mannes weiter, bis sie es 1873 verkaufte. Ihre Tochter Emma heiratete Robert Löbbecke. 

Witwe Schmidt und Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio hatten sich bereits durch einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt, als er die Stelle als Hauslehrer bei den Löbbeckes übernahm. Sie verband jahrelange gegenseitige Hochachtung und Freundschaft. Als er kurz vor seinem Tod nach Nachrodt zurückkehrte, hatte er vor, dort seinen Ruhestand zu verbringen.


Wusstest du schon, dass ...

… Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio 1803 im bergischen Waldbröl geboren wurde?

… er der bis heute berühmte Herausgeber einer umfassenden Sammlung Deutscher Volkslieder war und darüber hinaus z.B. slawische und kaukasische Volkslieder sammelte, übersetzte und herausgab?

… er auch viele eigene Volkslieder dichtete, zum Beispiel Kein schöner Land in dieser Zeit … oder Die Blümelein sie schlafen? Einige wurden von Brahms, Schumann, Mendelssohn-Bartholdy, Carl Maria von Weber und Carl Loewe vertont.

… er u. a. Lyrik und Novellen unter Pseudonymen veröffentlichte – am häufigsten unter dem Namen Wilhelm von Waldbrühl? 

… er gemeinsam mit seinem Bruder Vinzenz eine Sagensammlung „Die Vorzeit der Länder Cleve-Mark, Jülich-Berg und Westphalen“ herausgab?

… er neben seinen Anstellungen als Erzieher und Hauslehrer wissenschaftliche Arbeiten z. B. zu botanischen Themen oder Beiträge zu Robert Schumanns Neuer Zeitschrift für Musik schrieb?

… er sehr viel reiste und die meisten seiner Reisen zu Fuß unternahm, obwohl es bereits die Eisenbahn gab?

… er im Laufe seines Lebens 8 Sprachen lernte, darunter Französisch, Persisch, Russisch und Polnisch?

… er am 23. März 1869 bei einem Besuch im Haus Nachrodt verstarb, nachdem er am Tag zuvor die Dechenhöhle besucht hatte?

… der Grabstein von Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio im oberen Burghof der Burg Altena an ihn erinnert?

… Haus Nachrodt bis heute einen großen Park hat? Das Haus ist bis heute in Privatbesitz.



Hinweis

Die Geschichte bedient sich biografischer Details von Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio und einigen seiner Zeitgenossinnen und -genossen.

Dennoch sind sie hier Kunstfiguren. Beschreibungen und Handlungen der Figur sowie Ereignisse und Situationen sind fiktiv.


Literatur & Quellenangaben

Heimatbund Märkischer Kreis (Hrsg.), Veröffentlichungen des Heimatbundes Märkischer Kreis, Band 11, Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio – Ein „Lieder“-liches Genie, Altena, 1991

von Löbbecke-Campe, Charlotte, Haus Nachrodt und die Familie Schmidt – Eine Geschichte zu den Industrieanfängen und Entwicklung einer Ortsgemeinde im Lennetal, in: Hohenlimburger Heimatblätter für den Raum Hagen und Iserlohn, Heft 9/2022 September 2022, S. 309-323, Iserlohn, 2022   

Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) - Literaturkommission für Westfalen, Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren, Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio, https://www.lexikon-westfaelischer-autorinnen-und-autoren.de/autoren/zuccalmaglio-anton-wilhelm-florentin-von/ (Letzte Überprüfung: 10.10.2022)

Dr. Schulze, Nachrodt und Zuccalmaglio – wie ehrt(e) unsere Gemeinde ihren berühmtesten Sohn?, Manuskript zum Vortrag am 24.06.2019 in der Heimatstube Wiblingwerde, veröffentlicht auf der Website des Heimat- und Verkehrsvereins Nachrodt-Wiblingwerde, online verfügbar unter: https://hvv-nachrodt-wiblingwerde.de/index.php/vortraege/8-vortragsmanuskript-zuccalmaglio-und-nachrodt-wiblingwerde-dr-schulze-am-24-06-2019 (Letzte Überprüfung: 11.10.2022)

Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Haus Nachrodt - Vom mittelalterlichen Amtshaus zum bürgerlichen Wohnsitz, veröffentlicht auf der Website der Deutsche Stiftung Denkmalschutz, online verfügbar unter: https://www.denkmalschutz.de/denkmal/haus-nachrodt.html (Letzte Überprüfung: 11.10.2022)

Stadt Nachrodt-Wiblingwerde, Klarashöhe, veröffentlicht auf der Website der Stadt Nachrodt-Wiblingwerde, online verfügbar unter: https://www.nachrodt-wiblingwerde.de/Klaras-Hoehe.htm (Letzte Überprüfung: 11.10.2022)

Text: Sabine Schlüter - Die flotte Feder

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