Burgen- und Ruinen-Hopping im Märkischen Sauerland

In früheren Zeiten bestimmten Fehden und Kriege oftmals den Alltag. Um sie zu überstehen, wurden Orte speziell im Mittelalter mit dicken Mauern befestigt. Meistens war auch eine Burg angeschlossen. Mal war sie in die schützenden Stadtmauern integriert, mal stand sie davor. Dann wieder bildete eine Burg eine isolierte Festung – als Niederungsburg oder als Höhenburg wie die Burg Altena. Auf dem Gebiet des heutigen Märkischen Sauerlands gab es von allem etwas. Die Spuren der regionalen Geschichte – zum Beispiel der Auseinandersetzungen zwischen der früheren Grafschaft Mark und dem Herzogtum Westfalen lassen sich noch immer verfolgen.   


Leicht vorstellbar, dass eine Burg oder auch eine befestigte Stadt angesichts der vielen bewaffneten Auseinandersetzungen nicht an beliebigen Orten entstand. Im Gegenteil wurde ein Platz oft strategisch gewählt. Schließlich ging es darum, die Grenzen zu sichern und das eigene Territorium zu schützen. So verlief durch das Gebiet des heutigen Märkischen Kreises z. B. die Grenze zwischen der Grafschaft Mark und der Grafschaft Arnsberg bzw. des kurkölnischen Herzogtums Westfalen. Alle Seiten wollten diese Grenze verteidigen oder manchmal auch bewusst verletzen. Auf dem heutigen Gebiet des Märkischen Sauerlands verlief sie südlich von Menden und westlich von Balve über Neuenrade bis Plettenberg


Burgen und Festungen entlang der Grafschaftsgrenze

Wegen seiner Insellage zwischen den Grafschaften Mark und Arnsberg wurde das kurkölnische Menden im Mittelalter mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Auch der Plettenberger Schwarzenberg war jahrhundertelang hart umkämpft. Der Schwarzenberg und mit ihm Plettenberg gehörten mal zur Grafschaft Mark, mal zum Herzogtum Westfalen.

Es war Graf Engelbert III. von der Mark, der 1353 entlang der Grenze in kürzester Zeit Fakten schuf. Er baute über der alten die neue, kaum einnehmbare Burg Schwarzenberg auf. 

Gleichzeitig ließ er entlang der Grenze zur Grafschaft Arnsberg, die später zum Herzogtum Westfalen gehörte, quasi im Schnellverfahren die befestigte Stadt Neuenrade und die Burg Klusenstein errichten. Er schloss damit eine offene Flanke im Südosten und Osten seiner Grafschaft Mark und verschaffte sich einen strategischen Vorteil.

Letztlich blieben solche Vorteile aber immer nur Momentaufnahmen, denn die Konfrontationen setzten sich noch lange fort. Doch bis heute gibt es historische Spuren entlang der früheren Grenze: Burgen, Ruinen oder Reste von Befestigungen, die Geschichten aus jener Zeit erzählen.


Ritter Goswin auf seiner Burg

Den wiederkehrenden Zerstörungen setzte Menden erst Ende des 13. Jahrhunderts eine Befestigung entgegen. Die Stadt bekam eine Stadtmauer mit elf Türmen und einer wehrhaften kleinen Burg vor der Westmauer. Der heute noch bestehende Rentschreiberturm war damals Teil dieser Burg.

Von der Stadtbefestigung sind zwei weitere Türme erhalten, der Teufelsturm mit dem Westfälischen Karnevalsmuseum und der Poenigeturm mit einer Erinnerungsstätte an die Hexenprozesse des 17. Jahrhunderts.  

Als die Stadt befestigt wurde, existierte oberhalb der Stadt jedoch noch eine weitere Burg: die Rodenburg auf dem Rodenberg. Ritter Goswin ließ sie Mitte des 13. Jahrhunderts errichten. Sie bestand allerdings nur wenige Jahrzehnte und wurde 1301 bis auf die Grundmauern zerstört. Diese Grundmauern sind heute wiederzuentdecken, sie bilden eine kleine, feine Ruine unter Bäumen. Um Ritter Goswin, seine Rodenburg und die Ruine ranken sich Mythen. So soll Ritter Goswin dem Schwarzen Benno auf Burg Klusenstein zugewunken haben. Tatsächlich muss man bei solchen Mythen ja immer etwas genauer hinschauen, denn Burg Klusenstein wurde erst erbaut, als die Rodenburg bereits zerstört war. 



Sagenumwobene Burg Klusenstein

In voller Pracht erhalten – allerdings nur von unten aus im Vorbeifahren zu sehen – ist die Burg Klusenstein, die Graf Engelbert III. von der Mark 1353 erbauen ließ. Sie soll von jenem gefürchteten Ritter Benno mit dem Beinamen Schwarzer Benno eingenommen worden sein, als der Hausherr auf einem Kreuzzug war. Zu seinem Ende gibt es unterschiedliche Mythen: Eine besagt, dass er eines Tages auf der Jagd im Felsenmeer einfach verschwand. Eine andere, dass der heimkehrende Kreuzritter ihn mit Unterstützung durch die Mannen des Grafen von der Mark kurzerhand erledigte. 

Was aber Burg Klusenstein so spektakulär macht, ist ihre Lage auf einem hohen, steil abfallenden Felsen über dem Hönnetal – sie war für fremde Angreifer sicherlich abschreckend. Andererseits möchte man sich nicht vorstellen, wie beschwerlich die Bauarbeiten waren. Von unten nicht erkennbar steht sie auf einem Plateau und ist von weiteren Gebäuden umgeben. Gelände und Gebäude gehören heute einem Unternehmen und sind nicht zugänglich.



Tipp im Hönnetal

Im Hönnetal lädt das Wandercafé Alte Schmiede in Volkringhausen zu einem gemütlichen Zwischenstopp ein. Im Angebot sind hausgemachte Kuchen und Torten sowie Snacks.
Das alte Schmiedehäuschen steht direkt an der Brücke über die Hönne. 

Wandercafé Alte Schmiede
Balve-Volkringhausen
Glashüttenweg 2 
 

Infos auf Instagram


Die ehemalige Burg Gevern und die Stadt Neuenrade

Als Graf Engelbert III. von der Mark Neuenrade – ebenfalls 1353 – als befestigte Stadt errichten ließ und ihr das Stadtrecht verlieh, lag Burg Gevern in Sichtweite auf der Arnsberger Seite. Dort war man angesichts der Umtriebe im Märkischen wenig amüsiert. Man bemühte sich, aufzurüsten und die Burg noch stärker zur Festung auszubauen. Doch es half alles nichts, Graf Engelbert III. zerstörte die Burg kurz darauf. Es blieben nicht einmal Trümmer übrig, denn Gestein und Holz ließ Engelbert als Baumaterial zum Aufbau der Stadt nach Neuenrade schaffen. Die Menschen siedelte er einfach dorthin um. 

Erhalten hat sich lediglich – versteckt unter Gehölzen – der Graben der Burg Gevern. In diesem Graben soll das Kind des bösartigen Ritters von Gevern in einer goldenen Wiege ertrunken und nie gefunden worden sein. Die Frau des Ritters stürzte sich verzweifelt ebenfalls in den Graben. Sie wurde gefunden und in Berentrop beerdigt. Es heißt, dass sie in manchen Nächten noch am Burggraben umgeht. 

Ganz in der Nähe der ehemaligen Burg Gevern, im heutigen Neuenrader Ortsteil Küntrop und quasi als Erinnerung an die frühere Burg, haben die Neuenrader vor einigen Jahren die sogenannte Motte aufgebaut, die Rekonstruktion einer historischen Turmhügelburg

Neuenrade ist längst nicht mehr befestigt, doch man erkennt am rechteckigen Aufbau der Stadt noch die ursprüngliche Anlage. Ein Stadtmodell zeigt den früheren Grundriss. Auf einer Altstadtführung gibt es viel zur Entstehung Neuenrades zu erfahren. Über die Geschichte Neuenrades und wie es dazu kam, dass die Motte aufgebaut wurde, berichten wir übrigens auch in unserer Geschichte Die vierte Burg



Zankapfel Burg Schwarzenberg

Wie bereits erwähnt, waren auch der Schwarzenberg und seine Burg im Südosten der Grafschaft Mark immer wieder umkämpft. Der Berg und der Ort Plettenberg wechselten mehrmals die Zugehörigkeit, bis Graf Engelbert III. von der Mark bzw. der Landdroste Gerhard von Plettenberg 1353 die Burg Schwarzenberg neu aufbaute.

Dies war noch lange nicht das Ende der Auseinandersetzungen – auch nach Engelbert III. war sie immer wieder umkämpft, gehörte verschiedenen Landesherren. Zerstört wurde sie jedoch erst 1864 bei einem durch einen Blitzeinschlag verursachten Brand. 


Wie beeindruckend sie gewesen sein muss, lässt sich noch immer gut an ihrer Ruine erkennen. Sie ist – besonders in den dunkleren Jahreszeiten – ein mystischer Ort, hoch oben auf dem Berg, von Bäumen überwuchert und verborgen. Weil die Grafen von der Mark die Burg auch zum Wohnen nutzen, war sie bestens ausgestattet. Das zeigt sich noch in den Ausmaßen der Ruine. Mit seiner Seitenlänge von 13 Metern soll der Bergfried einer der größten der Region gewesen sein.

Zu entdecken sind auch Reste der Außenmauer sowie der Hauptburg mit Drostenhaus und Kurfürstenhaus. Der Brunnen – keine Selbstverständlichkeit auf einer Burg – ist noch vorhanden, ebenso eine mittelalterliche Toilette. Dazu ein Backhaus sowie Tore und Pforten. Der Wartturm wurde an seiner ursprünglichen Position rekonstruiert wiederaufgebaut.


Tipp nach dem Ruinen-Trip

Perfekt für einen Zwischenstopp nach der Ruinen-Besichtigung ist das Café Haltepunkt in Plettenberg. Es liegt über der Stadt am ehemaligen Damm der Bahnlinie Plettenberg – Herscheid und bietet dir neben Speisen und hausgemachten Torten bzw. Kuchen eine schöne Aussicht ins Tal.  

Café Haltepunkt
Haltepunkt 1
58840 Plettenberg
 

Zur Website



Burg Altena

Die imposante Höhenburg über der Stadt Altena ist heute das Wahrzeichen der Stadt und das Aushängeschild des Märkischen Sauerlands. Ihre ersten Mauern entstanden nach heutigem Kenntnisstand zu Anfang des 12. Jahrhunderts durch die Grafen von Berg. Damals wurde der Bergfried gebaut und auch als Wohnturm genutzt. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Bau stetig erweitert und von den Grafen von der Mark bzw. von Kleve-Mark und von Jülich-Kleve-Berg zeitweise als Residenz genutzt. 1455 kam es auf der Burg zu einem großen Brand, nach dem Teile der Burg die Gestalt erhielten, die heute rekonstruiert ist.

Nachdem die Grafschaft Mark Anfang des 17. Jahrhunderts in den Besitz von Brandenburg-Preußen überging, diente sie zunächst noch der Verteidigung und wurde später Sitz des Kriminalgerichts mit Gefängnis, eines Krankenhauses und eines Armenhauses. Dennoch verfiel sie zusehends. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Ideen zum Wiederaufbau der Burg. Der Landrat des Kreises Altena, Dr. Fritz Thomée nahm diese Pläne 1906 wieder auf und initiierte mit Unterstützung der märkischen Städte und Gemeinden ab 1907 die Rekonstruktion. 1914 war Burg Altena schließlich komplett wiederaufgebaut.   


Burg Altena ist heute eines der beliebtesten Ausflugsziele im Märkischen Sauerland, beherbergt die Museen Burg Altena und ist ganzjährig geöffnet.
Sie ist mit dem Erlebnisaufzug von Altenas Innenstadt in wenigen Minuten zu erreichen.


Weitere Informationen 


Wanderungen rund um unsere Burgen

Diese Burgen, das eine oder andere Schloss sowie Wallburgen, von denen heute hauptsächlich noch Erdwälle existieren, kannst du auch auf einigen unserer Wanderwege entdecken. Wir haben dir hier eine kleine Auswahl zusammengestellt. 


Literatur

Ulrich Barth, Elmar Hartmann, August Kracht, Heinz Störing: Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis. 3. überarbeitete und ergänzte Auflage. Heimatbund Märkischer Kreis, Altena 1993

Text: Sabine Schlüter - Die flotte Feder

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